Der tägliche Verlust: Im Theater Freiburg gruppiert sich um „Revue. Über das Sterben der Arten“ ein dreitätiges Festival
Dieser Catwalk ist eigentlich ein Trauergang. Täglich sterben 150 Arten, die meisten unter unserem Radar. „Revue. Über das Sterben
Dieser Catwalk ist eigentlich ein Trauergang. Täglich sterben 150 Arten, die meisten unter unserem Radar. „Revue. Über das Sterben der Arten“ ist eine der Bremer Produktionen, die Felix Rothenhäusler mit nach Freiburg gebracht hat. Seine Inszenierung aus dem Jahr 2021 wurde zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und ist ab dem 28. März am Theater Freiburg zu sehen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler vergegenwärtigen diese auf einem Laufsteg Tiere durch ihren Körper, ihren Gang, ihre Haltung noch einmal. Für die Stellersche Seekuh oder den Dodo ist es zu spät, doch den Kopf in den Sand zu stecken, können wir uns nicht leisten. Matthias Glaubrecht landete letztes Jahr mit seinem Sachbuch „Das stille Sterben der Natur“ einen bemerkenswerten Erfolg. Seine Publikation trägt den bezeichnenden Untertitel „Wie wir die Artenvielfalt und uns selbst retten“, denn so der Biologe, Artenvielfalt ist unsere Lebensversicherung. Nach seinem Vortrag am 26. März wird er mit dem Intendanten des Theater Freiburg Felix Rothenhäusler sprechen.
Katholische Akademie, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg und das Theater Freiburg haben um die Inszenierung „Revue. Über das Sterben der Arten“ ein dreitägiges kleines Festival im Theater Freiburg organisiert, an dessen Ende die Premiere der Revue steht. Studienleiter der Katholischen Akademie Josef Mackert hat das Goethe-Gymnasium und Montessori Zentrum Angell eingeladen, sich im Biologie- und Kunstunterricht mit dem Artensterben zu befassen. Zudem gab es einen Schreibworkshop im Kolleg St. Sebastian. Zwei Stücke der Theatergruppen vom Goethe-Gymnasium und dem Montessori Zentrum Angell sind am 27. März im Kleinen Haus zu sehen.
Am 28. März laden die Performer aus der „Revue. Über das Sterben der Arten“ die Musiker Jo Flüeler, Moritz Widrig und der Choreograf Andy Zondag zum Bewegungsworkshop „Scores of Connection“ ein und dazu, sich mit der Natur zu verbinden. Ein großer Teil der Veranstaltungen befasst sich mit Bildender Kunst. Sie sind geprägt durch die Suche nach einem Zugang zum Thema, der unmittelbar anspricht und Menschen dazu bringt, sich zu engagieren. So wird Mathias Frick seinen Dokumentarfilm von 2025 „Klima, Krise, Kunst“ zeigen. In Fricks Film kommen nicht allein Kunstschaffende wie Olafur Eliasson, Agnes Denes, Tomas Saraceno sowie der jüngst verstorbene Sebastiao Salgado, zu Wort, es geht auch um den Co2-Fußabdruck des globalen Kunstbetriebs. Zusätzlich Brisanz haben die beiden Veranstaltungen „Klimaton Arctic“ und „Dying Landscapes“ bekommen, die sich mit der Arktis, beziehungsweise mit Grönland befassen. Militärübungen und unverhohlen geäußerte Gebietsansprüche Trumps auf die Insel, die bekanntlich zu Dänemark gehört, haben zu einer ernsthaften Krise geführt und zu einem Drohszenario, das immer noch besteht. Und das auch mit der Klimakrise, dem Schmelzen des Eises und daraus resultierenden neuen Seewegen zu tun hat. Die Berliner Kunstschaffenden Adnan und Nina Softic haben für Klimaton Arctic Daten der Mosaic-Expedition von 2019 bis 2020 verarbeitet, die in die zentrale Arktis führte. Für das Künstlerduo ist Klimaton Musikinstrument, Klangbibliothek und Porträt einer schmelzenden Landschaft. Am 28. März werden sie über ihre Arbeit sprechen, im Anschluss gesellt sich Laakkuluk Williamson Bathory, dazu. Die grönländische Inuk-Künstlerin praktiziert den mehrere Tausend Jahre alten Maskentanz, der für Williamson Bathory auch eine Praxis der Selbstbehauptung ist.
Das stille Sterben der Natur, 26.-28. März, Theater Freiburg. Weitere Infos unter theater.freiburg.de und katholische-akademie-freiburg.de
Bild: Wie Künstler auf Themen wie das Artensterben und die Klimakrise reagieren, zeigt das Motiv der Foto-Künstlerin Alexandra Polina, das sie für das Programmheft zur Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat © Alexandra Polina



