Kunst

Der Mensch im Zentrum der Linse: Bis Ende Februar können sich Fotograf:innen mit seriellen Arbeiten um den August-Sander-Preis bewerben

Wer wir sind, wie wir uns zeigen, was sich in Gesichtern, Körperhaltungen und Blicken einschreibt – das Porträt gehört

Der Mensch im Zentrum der Linse: Bis Ende Februar können sich Fotograf:innen mit seriellen Arbeiten um den August-Sander-Preis bewerben

Wer wir sind, wie wir uns zeigen, was sich in Gesichtern, Körperhaltungen und Blicken einschreibt – das Porträt gehört zu den ältesten und zugleich aktuellsten Bildformen der Fotografie. Mit dem August-Sander-Preis für Porträtphotographie 2026 rückt nun erneut eine Auszeichnung junge zeitgenössische Positionen in den Fokus, die sich dieser Gattung mit konzeptueller Klarheit und künstlerischer Präzision nähern.

Das fotografische Porträt ist dabei weit mehr als das Abbild eines Gesichts. Seit seinen Anfängen verhandelt es Fragen von Identität, Zugehörigkeit und sozialer Ordnung. Wer porträtiert wird und wie, sagt stets auch etwas über die Zeit, ihre Machtverhältnisse und ihre Selbstbilder aus. Gerade in der sachlich-konzeptuellen Tradition, für die August Sander bis heute als Referenz gilt, wird das Porträt zum Dokument gesellschaftlicher Wirklichkeit. In zeitgenössischen Ansätzen wird diese Tradition weitergedacht. Porträts entstehen nicht nur im Studio, sondern in alltäglichen Räumen, in sozialen Kontexten, im Spannungsfeld von Nähe und Distanz, Selbst- und Fremdbild.

August Sander gilt als einer der bedeutendsten Wegbereiter der sachlich-konzeptuellen Fotografie. Berühmt wurde der in Herdorf geborene Künstler durch sein Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ (um 1924), in dem er mehrere hundert Porträts von Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen über Jahrzehnte hinweg systematisch in Bildmappen zusammenführte. Seine Arbeit gilt heute als Meilenstein fotografischer Gesellschaftsdokumentation.

Ausgerichtet wird der Preis von der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur in Köln, gestiftet von Ulla Bartenbach und Prof. Dr. Kurt Bartenbach. Der Preis wird 2026 zum fünften Mal vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Preis versteht sich ausdrücklich als Förderung junger fotografischer Handschriften im Geiste der sachlich-konzeptuellen Fotografie und damit in der Tradition von August Sander.

Teilnahmeberechtigt sind nationale und internationale Künstler:innen, die nach dem 1. Januar 1986 geboren sind und ihren Schwerpunkt in der Fotografie haben. Gesucht werden keine Einzelbilder, sondern bereits weitgehend erarbeitete Serien, die sich inhaltlich und formal dem menschlichen Porträt widmen. Eingereicht werden können bis zu 20 fotografische Abzüge, die einer thematisch gebundenen Bildgruppe oder Sequenz folgen. Arbeiten, die bereits bei anderen Wettbewerben ausgezeichnet wurden, sind ausgeschlossen. Einsendeschluss ist der 27. Februar 2026.

Über die Auswahl entscheidet eine fünfköpfige Jury, die fachliche Expertise aus Kunstgeschichte, kuratorischer Praxis und Fotografie vereint: Dr. Anja Bartenbach (Köln), Dr. Franziska Brons (Berlin), Gabriele Conrath-Scholl (Leiterin der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur, Köln), Jean-Paul Deridder (Kurator, Brüssel) und der Fotograf Andreas Mader (Winterthur). Im Mai 2026 wird zunächst eine Shortlist veröffentlicht, aus der im Juni 2026 die Preisträger:in hervorgeht. Die feierliche Preisverleihung findet schließlich im September 2026 in Köln statt verbunden mit der Möglichkeit einer Ausstellung in der Photographischen Sammlung.

Weitere Infos: photographie-sk-kultur.de

Bilder: August Sander: Photographin, um 1926 © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2025

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