Nachhaltig

Unterwegs in digitalen Wäldern: Freiburger Forschende beteiligen sich am Projekt „KI-Nationalpark“

In Deutschland blicken wir auf eine große Vielfalt verschiedenster Ökosysteme: Wattflächen, Wald- und Agrarlandschaften, Almen und Bergwiesen erbringen vielfältige

Unterwegs in digitalen Wäldern: Freiburger Forschende beteiligen sich am Projekt „KI-Nationalpark“

In Deutschland blicken wir auf eine große Vielfalt verschiedenster Ökosysteme: Wattflächen, Wald- und Agrarlandschaften, Almen und Bergwiesen erbringen vielfältige Leistungen für den Erhalt unserer Nationalparke und Wildnisgebiete. Darunter die Speicherung von Kohlenstoff, Bereitstellung von Nahrungsmitteln oder Naherholungsfunktionen. So spielen sie eine zentrale Rolle und hüten sozusagen das Gleichgewicht unseres Lebensraumes.
Durch menschliche Einflüsse stehen jedoch genau diese Ökosysteme zunehmend unter Druck. Klimawandel und menschliches Eingreifen sorgen dafür, dass Ökosysteme, die maßgeblich sind für die Balance unserer Wildnis- und Schutzgebiete, in Gefahr sind. Die Auswirkungen sind dramatisch und gefährden unter anderem die Biodiversität.
Damit diese zentralen Funktionen langfristig erfüllt und zukünftigen Herausforderungen begegnet werden können, müssen unsere Ökosysteme zukunftsfähig gestaltet werden. Zugleich müssen schutzgebietsübergreifende Handlungsstrategien entwickelt werden, die schnelles Eingreifen ermöglichen und einen genaueren Werkzeugkasten für den Erhalt und vor allem die Förderung der Ökosysteme bieten.
Genau das ist die zentrale Aufgabe für das bundesweit erste schutzgebietsübergreifende und durch künstliche Intelligenz (KI) gestützte Monitoringsystem, das seit Sommer 2025 im Rahmen des Projekt „KI-Nationalpark“ in dreizehn deutschen Nationalparks und zwei Wildnisgebieten installiert wird – unter der maßgeblichen Beteiligung der Universität Freiburg.
Forschende um Prof. Dr. Marco Heurich und Prof. Dr. Ilse Storch (Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg) arbeiten gemeinsam mit der Saarbrücker biometrio.earth GmbH und dem Bündnis Nationale Naturlandschaften e. V. (Projektkoordinator). Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) fördert das Vorhaben im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) in der Förderlinie „KI-Leuchttürme“ mit 1,8 Millionen Euro. Vorerst soll das Projekt bis 2027 laufen – das Potenzial ist groß, der Aufwand aber nicht zu unterschätzen.

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer befindet sich einer der Messstandorte des Projekts – hier erfassen Wildtierkamera und Audiorekorder Daten zur Artenvielfalt und Umweltveränderungen Foto: Florian Packmor, Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer

KI für den Umweltschutz nutzen?
Deutschlandweit werden für dieses Projekt Daten gesammelt: Vom Schwarzwald über die Eifel bis zur Vorpommerschen Boddenlandschaft und der Sächsischen Schweiz sollen Fotofallen in den kommenden zwei Jahren Aufnahmen der tierischen Bewohner liefern, darunter Rehe, Füchse, Wildschweine und Co. Audiologger zeichnen zugleich Vogelstimmen, Fledermausrufe, Forstmaschinen und Freizeitaktivitäten auf und Klimalogger dokumentieren Aspekte wie Bodenfeuchte und Lufttemperatur. Im Rechenzentrum der Universität Freiburg werden all diese Daten gespeichert und zusammnengefügt, sodass im Anschluss die KI-Systeme des Projekts mit genau diesen Daten trainiert werden können. Ziel ist es, zukünftig große Datenmengen automatisiert auswerten zu können, Arten sowie menschliche Störungen zu identifizieren und Zusammenhänge zwischen Klima, Biodiversität und Nutzung in Zukunft besser veranschaulichen zu können. Auf den Daten basierend sollen die Forschenden dann standardisierte Verfahren entwickeln, um Biodiversität und Störungsfaktoren zu erfassen. Zudem geplant ist eine belastbare Bestandsaufnahme der Artenvielfalt in den Gebieten zu erstellen und darauf basierend konkrete Handlungsempfehlungen geben zu können. „Erkennen wir, dass menschliche Aktivitäten zur Brut- und Setzzeit oder in Bereichen zunehmen, in denen störungsempfindliche Arten wie das Auerhuhn leben, können wir Besucherströme gebietsspezifisch und datenbasiert umlenken“, erklärt Prof. Dr. Marco Heurich. Als weiteres Beispiel nennt er die Option, bei Bedarf die Abschusspläne für Schalenwild zu ändern, sodass sich Wälder positiv entwickeln können.

Bild: Fotofallen des Projekts „KI-Nationalpark“ liefern zukünftig Aufnahmen von größeren Säugetieren wie Rehen, Füchsen, Wildschweinen und Co. Foto: Universität Freiburg

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