Punkt und Pinsel: Die Fondation Beyeler legt im Januar das Augenmerk auf Yayoi Kusama und Paul Cezanne
Der Januar in der Fondation Beyeler steht ganz im Zeichen zweier Künstler:innen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher
Der Januar in der Fondation Beyeler steht ganz im Zeichen zweier Künstler:innen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten und sich doch auf überraschende Weise berühren. Während Yayoi Kusama mit Punkten, Spiegelungen und obsessiver Wiederholung arbeitet, zerlegt Paul Cezanne die Welt in Farbe, Fläche und Form. Zwischen Polka Dots und provenzalischen Landschaften entfaltet sich ein Programm, das Kunstgeschichte nicht chronologisch erzählt, sondern in Räumen des Austauschs denkt.
Bis zum 25. Januar ist in der Fondation Beyeler noch die große Retrospektive der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama zu sehen (Besprechung der Ausstellung: kulturjoker.de/yayoi-kusama). Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über mehr als sieben Jahrzehnte künstlerischen Schaffens und zeigt ikonische Arbeiten ebenso wie selten gezeigte frühe Werke und neue Produktionen. Auch ein Infinity Mirror Room ist Teil der Präsentation. Ein begleitendes Veranstaltungsformat ist das „Erzählcafé Kleiderschrank und Lieblingsstücke“ am 20. Januar, 14 Uhr im Foyer Public des Theater Basel. Inspiriert von Yayoi Kusamas Werk dreht sich das Gespräch um Mode, persönliche Kleidungsstücke und individuellen Ausdruck. In geschützter Atmosphäre werden Erinnerungen und Geschichten geteilt. Noch bis zum 4. Januar ist zudem die Sammlungspräsentation „Eine kleine Kunstgeschichte des Punktes“ zu sehen. Im Zentrum steht der Punkt als künstlerisches Motiv vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Präsentation schlägt eine Brücke zwischen historischen Positionen und Yayoi Kusamas unverwechselbarer Bildsprache.

Mit einem vielschichtigen Programm taucht die Fondation Beyeler Ende Januar in das Werk und Leben von Paul Cezanne ein, dessen Einfluss auf die moderne Kunst bis heute spürbar ist. Im Zentrum steht die Ausstellung vom 25. Januar bis 25. Februar, die vor allem die späte Schaffensphase Cezannes betrachtet. Gezeigt werden Porträts, Badende, Landschaften aus der Provence und immer wieder die Montagne Sainte Victoire, jener Berg, den Cezanne zeitlebens malte und neu erfand. Doch richtet sich der Blick vor allem auf die zahlreichen Formate, die den Museumsbesuch erweitern, vertiefen und lebendig machen. Führungen, Dialogformate, Workshops und nächtliche Sonderveranstaltungen laden dazu ein, Cezannes Werk nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu durchdringen.
Den Auftakt bildet die Museumsnacht Basel am 23. Januar. Unter dem Titel „Arigato Kusama – Bonjour Cezanne“ begegnen sich in der Fondation Beyeler zwei sehr unterschiedliche künstlerische Welten. Zwischen 18 Uhr und 2 Uhr nachts erhalten Besucher:innen eine exklusive Vorschau auf die Cezanne-Ausstellung. Kurze Führungen in mehreren Sprachen führen zwischen 18 und 24 Uhr zu ausgewählten Werken. Parallel dazu laden Audioguides und ein Mitmachheft dazu ein, die Yayoi Kusama-Ausstellung individuell zu erkunden. Um Mitternacht und um 1 Uhr nachts finden stimmungsvolle Late Night Touren durch den beleuchteten Park zu Kusamas Installationen statt. Kulinarisch begleitet wird die Nacht mit japanischem Fingerfood und Drinks im Restaurant im Park. Im Art Lab können Besucher:innen selbst kreativ werden und Polka Dots auf die eigenen Fingernägel bringen.
Einblicke in die Ausstellung „Cezanne“ bietet zudem das dialogische Format „Einblicke „Cezanne“: Aus Farben gebaute Bilder“ am 26. Januar, 14 Uhr. Im Gespräch mit Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern werden ausgewählte Werke und Themen vertieft. Das Format richtet sich an alle, die genauer hinschauen und ihre eigene Wahrnehmung schärfen möchten.
Ein weiteres Highlight ist der Architektur Rundgang am 10. Januar, 11 Uhr, der einen architektonischen Blick hinter die Kulissen der Fondation Beyeler wirft. Der Rundgang widmet sich dem Museumsbau von Renzo Piano und erläutert dessen architektonisches Konzept im Zusammenspiel von Licht, Raum und Landschaft.
Mit Ausstellungen, Führungen, Gesprächen und partizipativen Formaten lädt die Fondation Beyeler dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu erleben. Cezanne wird dabei nicht als historisches Monument gezeigt, sondern als Künstler, dessen Fragen nach Wahrnehmung, Form und Farbe bis heute nachwirken. Gleichzeitig bietet die laufende Retrospektive von Yayoi Kusama die Möglichkeit, in eine ganz eigene Welt aus Polka Dots, Spiegelräumen und grenzenloser Fantasie einzutauchen. Zusammen eröffnen beide Ausstellungen Räume, in denen Besucher:innen die Kraft von Farbe, Form und künstlerischer Vorstellungskraft unmittelbar erfahren können.
Weitere Infos: fondationbeyeler.ch
Bild: Paul Cezanne, La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1902–06, Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm, Copyright: Privatsammlung/Fondation Beyeler




