Lesung: Johanna Roth: This is America – is this America?
Mit 250 sollte man eigentlich aus dem Gröbsten raus sein. Aber im Falle der USA hat das nicht ganz so reibungslos geklappt: Zum runden Geburtstag, mit allen damit einhergehenden Wachstumsschmerzen, prüft die bis 2025 aus Washington, D.C. berichtende Auslandskorrespondentin der „Zeit“, Johanna Roth, das Gründungsversprechen von 1776. „Alle Menschen sind gleich“ heißt es dort – doch Roth findet den Riss schon im Fundament der US-Verfassung, gemeißelt von Männern, die sich zu Hause Sklav:innen hielten. Von Gettysburg bis Guantánamo, vom Bear-River-Massaker bis hin zu maskierten ICE-Beamt:innen, die heute Menschen von der Straße holen, zeichnet sie ein Land, das sich seit einem Vierteljahrtausend denselben Mythos erzählt – und sich vielleicht gerade in genau das verwandelt, was es nie werden sollte. Kritisch, klug und manchmal überraschend zärtlich schaut die Journalistin auf den amerikanischen Jubilar – und findet den letzten Konsens von rotem und blauem Lager: Dolly Parton, selbstverständlich!