Kein leichtes Spiel: „Neue Bilder“ von Christoph Drexler in der FreiburgerGalerie Albert Baumgarten
Aufgeräumt sieht das aus, als startete der Morgen in einen neuen Tag. Eine Flasche, ein Kuchen mit einem zitronenfarbenen
Aufgeräumt sieht das aus, als startete der Morgen in einen neuen Tag. Eine Flasche, ein Kuchen mit einem zitronenfarbenen Guss, ein Keil, der eine Serviette darstellt. Oder die Bauklötzchen auf dem roten Tischtuch, ein Haus mit blauem Satteldach steht da, ein Quader, ein Prisma und eine stilisierte Hecke. Kein Kind hätte den Tisch so unzusammenhängend hinterlassen, das Spielzeug sieht aus wie eine Erinnerung an die eigene Kindheit. Diese Kleinformate wirken so übersichtlich und geordnet, würde sich nicht der Tisch derart nach vorne neigen, dass es alle gängigen Perspektivregeln außer Kraft setzt. Christoph Drexler mag Stillleben malen, doch das heißt ja nicht, dass die Welt ein leichtes Spiel wäre. Die Ausstellung in der Galerie Baumgarten, es ist dort bereits die dritte des Münchner Künstlers, zeigt neben neuen und neueren Arbeiten auch zwei aus dem Jahr 1982. Damals studierte der 1955 in Eichstätt geborene Künstler noch an der Münchner Akademie. Auch in diesen beiden frühen Werken gibt es solche Momente der Irritation. Bei dem Ölbild „Grünes Sofa“ könnte die Fläche vor dem titelgebenden Möbelstück auch ein Tisch sein. Wahrscheinlicher ist ein Teppich, doch Drexler scheint es nicht um eine illusionistische Behandlung von Räumlichkeit zu gehen, Überhaupt hebt sich das Sofa, das parallel zu dem Läufer ausgerichtet ist, kaum von dem grünen Hintergrund ab. Gäbe es nicht dieses ungemütlich scheinende Möbel, man könnte diese großformatige Arbeit für ein monochromes Bild halten. Und in „Tisch mit Eimer“, ebenfalls von 1982, wollen die Schattenwürfe nicht zum Tisch passen, es wirkt als würden sich Farbflächen im Raum arrangieren. Man kann diese Unstimmigkeiten als Hinweis darauf verstehen, dass wir es hier mit Malerei zu tun haben. Drexler jedenfalls lässt die Geste des Pinselstrichs bestehen, man sieht deutlich, die Spuren des Malens.
Es sind die stillen Genres, denen sich Drexler widmet: die Landschaft und die Nature morte. Die Tradition verlangt eigentlich üppige Arrangements, zumindest aber Anordnungen und dramatische Natur. Doch Drexler setzt die Objekte beziehungslos nebeneinander, er stiftet keine Verwandtschaften, der Abstand ist jeweils zu groß und dann wirken die Dinge noch so bescheiden, dass nichts ferner läge als der große Auftritt. Die Landschaften sind flächig aufgefasst, es gibt viel Wasser, das durch eine Abgrenzung oder den Horizont vom Himmel getrennt ist, und es gibt Hügel und Matten. Oft sind Hütten in diese Landschaften wie kleine Bauklötzchen eingestreut. Sie stehen in Senken, am Rande, manchmal nehmen sie auch einen Großteil der Bildfläche an. Sie sind nicht nur Anker für das Auge, sie sind auch ein Hinweis auf menschliches Leben – so wie der Pinselstrich auf den Bildern. Und wenn man in der Galerie Albert Baumgarten vor den beiden Kleinformaten steht, die jeweils einen einsamen Ruderer zeigen, einmal rudernd, das andere Mal in Kontemplation versunken, dann ahnt man, dass sich hinter diesem Stoizismus, dieser Lakonie und der raffinierten Kargheit Humor verbergen könnte.
Christoph Drexler, Neue Bilder. Galerie Albert Baumgarten, Kartäuserstr. 32, Freiburg. Dienstag bis Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr. Bis 28.03.26
Bild: Christoph Drexler: „Helles Haus“, gespiegelt, 2023, Öl auf Leinwand © Galerie Albert Baumgarten




