Tanz Theater

Musik, Licht, Tanz: Die Sao Paulo Dance Company begeisterte beim Take Over Festival in Baden-Baden

Tischtennis spielen, gemütlich abhängen oder ein bisschen tanzen, wenn im Februar das Take Over Festival läuft, gibt sich das

Musik, Licht, Tanz: Die Sao Paulo Dance Company begeisterte beim Take Over Festival in Baden-Baden

Tischtennis spielen, gemütlich abhängen oder ein bisschen tanzen, wenn im Februar das Take Over Festival läuft, gibt sich das Festspielhaus Baden-Baden als Lounge für ein junges Publikum. Im Programm viel Musik und Tanz, Workshops und Einblicke hinter der Bühne. Als Publikumsmagnet für Zuschauer aller Altersgruppen erwies sich das Gastspiel der Sao Paulo Dance Company.
Musik, Licht, Tanz. Mehr brauchte die Company nicht, um im Rahmen des Take Over Festivals das Festspielhaus für zwei Abende zu übernehmen. Dabei schlug die 2008 gegründete und schon jetzt legendäre Tanzgruppe aus Brasilien musikalisch wie choreografisch einen Bogen von der Klassik zur Moderne.
Den Finalsatz aus Anton Bruckners monumentaler 8. Sinfonie setzte der amerikanische Choreograph Stephen Shropshire in „The Eighth“ streng und dramatisch um, mit einer sehr klassisch geprägten Linie. Shropshire war vier Jahre lang Hauschoreograph der Sao Paulo Dance Company, er wusste also, was er den Tänzern zumuten kann, und das ist viel.

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Das Licht malte ein Viereck auf die Bühne, in dem sich die Tanzpaare bewegten. Sehr synchron, sehr abgezirkelt, angereichert um eine Fülle variantenreicher Hebefiguren. Die Handlung zeichnete einen gnadenlos bis an den Rand der Erschöpfung führenden Tanzmarathon nach. Die Tanzpaare in glamourösen schwarzen Glitzeroutfits ließen in Haltung und Gestik die nach außen glänzenden, in der Realität eher unerbittlichen Tanzwettbewerbe anklingen. Ein Paar nach dem anderen schied aus, tröstend umarmten die Tänzer ihre Partnerinnen. Das letzte Paar tanzte noch ein Solo, in dessen Verlauf der Tänzer seine Partnerin minutenlang in die Höhe stemmte. Die Erschöpfung war sicher nicht nur gespielt, und doch fanden sich zum Ausklang alle Paare noch einmal ein, gingen mit ungebrochener Eleganz noch einmal die Bewegungen ihres Tanzes durch.
Völlig anders in jeder Hinsicht Marco Goeckes Choreografie zu Igor Strawinskys „Le Chant du Rossignol“. Nebel wallte hintergründig über die insgesamt recht dunkle Bühne. Ausdrucksvoll verkörperten die Tänzer das Flatterhafte, Unvorhersehbare der Nachtigall, die Schnelligkeit und Kraft ihrer Flügelschläge. Strawinsky griff in seiner Musik ein Märchen von Hans Christian Andersen auf, in dem die Nachtigall einen chinesischen Kaiser vor dem Tod rettet. In Goeckes Choreografie gab es den berührenden Moment, in dem eine zierliche Tänzerin als Nachtigall den Tänzer alias den Kaiser stützt, der seine Hände auf ihre Schultern legt. Überraschend fiel plätschernder Regen vom Bühnenhimmel, der Nebel verzog sich.Tanz, Licht und Musik verbanden sich hier zu einem traumhaft poetischen Stück.
In eine archaisch-mystische Welt entführte die Sao Paulo Dance Company das Publikum mit „Gnawa“ von Nacho Duato. Als Gnawa werden die Nachfahren afrikanischer Sklaven bezeichnet, die heute eine ethnische Minderheit in Marokko darstellen und eine eigene Kultur entwickelt haben. Zu nordafrikanisch-arabisch-spanisch inspirierten Klängen beschworen die weiß gekleideten Tänzer und Tänzerinnen in Schwarz geheimnisvolle Rituale herauf. Der rhythmisch prägnanten Musik entsprach die dynamische, kraftvolle Tanzsprache. Wenn die Beleuchtung die Bühne zu einem schmalen Bildausschnitt verkleinerte, bildete die Company eine bewegte Gruppe, die an einen einzigen, lebendigen Organismus erinnerte. Die Vielseitigkeit, Präsenz und Dynamik der Sao Paulo Dance Company begeisterte das Publikum und stellte ein Highlight innerhalb des Take Over Festivals dar.

Weitere Veranstaltungen: www.festspielhaus.de

Bild: Die Sao Paulo Dance Company mit der Inszenierung „Gnawa“ von Nacho Duato © Camilo Barbosa e Iari Davies

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Nike Luber