Ein archaisches Lächeln aus Vulci: Ein Gesicht aus Marmor erzählt neue Geschichte über Etrusker
Was jahrtausendelang im Boden verborgen lag, verändert nun den Blick auf die antike Mittelmeerwelt. In der etruskischen Stadt Vulci
Was jahrtausendelang im Boden verborgen lag, verändert nun den Blick auf die antike Mittelmeerwelt. In der etruskischen Stadt Vulci in Mittelitalien haben Archäolog:innen aus Freiburg und Mainz einen außergewöhnlich gut erhaltenen Kopf einer weiblichen Marmorstatue entdeckt. Der Fund zählt zu den seltenen Beispielen griechisch archaischer Großplastik außerhalb des griechischen Mutterlandes und gibt neue Hinweise auf die kulturellen Beziehungen zwischen Griechen und Etruskern zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr..
Entdeckt wurde der Kopf im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „Vulci Cityscape“, das seit 2020 die urbane Struktur der antiken Stadt untersucht. Geleitet wird das Projekt von Dr. Mariachiara Franceschini von der Universität Freiburg und Dr. Paul P. Pasieka von der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Der Fund stammt aus dem Umfeld eines spätarchaischen Tempels, der erst vor wenigen Jahren freigelegt wurde und gemeinsam mit dem bekannten Tempio Grande ein zentrales Sakralareal der Stadt bildete.

Bei der Statue handelt es sich um den Kopf einer sogenannten Kore, einer Darstellungsform junger Frauen, die in der griechischen Antike häufig als Weihgaben oder Grabmonumente dienten. Die fein ausgearbeitete Frisur, das Diadem und die sorgfältig modellierten Gesichtszüge weisen auf eine attische Werkstatt hin. Vergleichbare Skulpturen sind vor allem von der Athener Akropolis bekannt. Dass ein solches Werk seinen Weg nach Etrurien fand, unterstreicht den intensiven kulturellen Austausch zwischen den Regionen, der bislang vor allem anhand von Keramikfunden belegt war. Besonders bemerkenswert ist der Erhaltungszustand des Kopfes. Aus dem Fundgebiet sind nur eine Handvoll Skulpturen bekannt, von denen keine in vergleichbar herausragender Qualität erhalten ist. Selbst Reste der ursprünglichen Bemalung sind noch sichtbar und erlauben Rückschlüsse auf die farbige Gestaltung antiker Skulpturen. Der Fund wurde am 5. Dezember 2025 in Rom erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Für die Forschenden eröffnet die Kore von Vulci neue Perspektiven auf eine Phase intensiver kultureller Blüte. Sie zeigt, dass nicht nur Alltagsobjekte und Vasen, sondern auch hochwertige Bildhauerei Teil eines weitreichenden Austauschs waren. In den kommenden Jahren sollen weitere Ausgrabungen rund um den Tempel folgen. Vulci erweist sich dabei einmal mehr als Ort, an dem Geschichte Schicht für Schicht neu erzählt wird und manchmal ein einzelnes Gesicht aus Marmor genügt, um ganze Narrative zu verschieben.
Foto: Kopf der Kore bei der Auffindung, Copyright: Mariachiara Franceschini





