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Aus für den Kulturpass: Die Bundesregierung beendet Kulturförderung für Jugendliche

Zum 18. Geburtstag soll es Kultur auf Staatskosten geben und Jugendlichen den Einstieg in das kulturelle Leben erleichtert werden.

Aus für den Kulturpass: Die Bundesregierung beendet Kulturförderung für Jugendliche

Zum 18. Geburtstag soll es Kultur auf Staatskosten geben und Jugendlichen den Einstieg in das kulturelle Leben erleichtert werden. Mit diesem Versprechen trat der Kulturpass, initiiert von der früheren Ampel-Koalition, 2023 auf die Bühne der bundesweiten Jugendförderung. Die Idee war einfach und der Zugang bewusst niederschwellig gehalten. Alle Jugendlichen, die im jeweiligen Jahr 18 wurden und in Deutschland lebten, konnten sich online registrieren und ein persönliches Budget für kulturelle Angebote erhalten. In der Anfangsphase erhielten 18-Jährige ein Guthaben von 200 Euro, das später auf 100 Euro reduziert wurde. Das Angebot konnte über eine App ausgewählt und vor Ort eingelöst werden. Bücher, Konzerte, Kinotickets, Theaterbesuche oder sogar Musikinstrumente wurden damit für junge Menschen vom Staat finanziert. Besonders für junge Menschen, die außerhalb der großen Städte leben oder keinen regelmäßigen Zugang zu Kulturinstitutionen haben, sollte das Projekt eine Brücke bauen. Mit dem Jahresende 2025 endet nun auch das Projekt.
Laut Angaben des Bundesministeriums für Kultur und Medien (BKM) hatten bis Ende 2024 etwa 463.300 Jugendliche den Kulturpass aktiv genutzt. Innerhalb der ersten 14 Monate nach dem Start, von Juni 2023 bis Anfang August 2024, griffen rund 373.000 junge Menschen auf ihr Kulturpass-Guthaben zurück. Berechtigt dazu waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 750.000 Jugendliche. Während dieses Zeitraums wurde der größte Teil der Ausgaben in Buchhandlungen getätigt, wo fast 950.000 Titel reserviert wurden. Über 183.000 der 18-Jährigen setzten ihren Kulturpass außerdem für den Besuch von Konzerten und Theaterstücken ein, und mehr als 600.000 Kinokarten wurden darüber erworben. Insgesamt beliefen sich die bisherigen Ausgaben aus Mitteln des Kulturstaatsministeriums auf mehr als 100 Millionen Euro.
Bereits freigeschaltete Budgets bleiben bis zum 30. November 2025 gültig. Danach wird die Plattform abgeschaltet. Die Entscheidung zur Einstellung des Kulturpasses geht auf eine Bewertung des Bundesrechnungshofs zurück. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verweist auf die Einschätzung, wonach der Bund keine rechtliche Grundlage für ein solches Programm habe, da Kultur in Deutschland in den Zuständigkeitsbereich der Länder falle. Auch die Nutzung des Angebots sei ausgewertet worden. Eine Fortsetzung durch den Bund sei unter diesen Umständen nicht vorgesehen.
Kritik an der Einstellung des Angebots kommt unter anderem von der Bundesschülerkonferenz. Sie verweist auf den bildungspolitischen Wert des Projekts. Der Kulturpass habe zur Chancengleichheit beigetragen und die gesellschaftliche Teilhabe gestärkt. Die Förderung habe damit einen Beitrag zu demokratischen Werten geleistet. Durch den Wegfall entstehe erneut eine Hürde im Zugang zu kultureller Bildung. Kulturelle Teilhabe ist für junge Menschen besonders bedeutsam, weil sie nicht nur die persönliche Entwicklung fördert, sondern auch die demokratische Meinungsbildung unterstützt. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Jugendliche politisch radikalisieren, bieten Kulturangebote Räume für Austausch, Reflexion und die Entwicklung einer offenen Debattenkultur. Der Zugang zu kulturellen Erfahrungen hilft jungen Menschen, ihre eigene Position in der Gesellschaft zu finden und fördert so langfristig die politische Teilhabe und das Verantwortungsbewusstsein.
Auch Vertreter:innen aus dem Buchhandel und kulturpolitische Stimmen aus der Politik äußern sich ablehnend. Die rechtliche Einschätzung wird dort nicht uneingeschränkt geteilt. Vielmehr wird der Schritt als Rückzug des Bundes aus einem Bereich gewertet, der jungen Menschen Orientierung, ästhetische Erfahrung und Zugang zu öffentlichen Räumen ermöglicht.
Ob Länder oder Kommunen künftig eigene Programme auflegen, ist bislang unklar. Klar ist nur, dass mit dem Ende des Kulturpasses ein bundesweites Projekt verschwindet, das jungen Erwachsenen erstmals gezielt kulturelle Teilhabe ermöglicht hat.

Foto: © cottonbro studio/pexels

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Alisa Guschker