Kultour Literatur

Ein frischer Blick auf die Region: Der opulente Fotoband „Frauenperspektiven – Freiburg Südschwarzwald“ ist erschienen

Wer bisher nicht wußte, wo Detzeln liegt, weiß es jetzt: Denn Nadia Schmid dirigiert in diesem Stadtteil von Waldshut-Tiengen

Ein frischer Blick auf die Region: Der opulente Fotoband „Frauenperspektiven – Freiburg Südschwarzwald“ ist erschienen

Wer bisher nicht wußte, wo Detzeln liegt, weiß es jetzt: Denn Nadia Schmid dirigiert in diesem Stadtteil von Waldshut-Tiengen seit vier Jahren die „Tezzilnehmer Schtudehägler“. Die Guggenmusik ist so etwas wie das Lebenselixier der 33-jährigen Grundschullehrerin, die mit ihrer Familie in Lauchringen wohnt. Sie und 24 andere Frauen aus Freiburg und Südbaden, ausgewählt von Verlegerin Christiane Möschle, Autorin Mira Preusse und Fotografin Yasemin Aus dem Kahmen alias Minz & Kunst, erzählen in dem Bild-Text-Band „Frauenperspektiven – Freiburg Südschwarzwald“ von ihren Lebenswelten, ihren Lieblingsplätzen, von ihrer Arbeit und dem, was für sie wichtig ist.


Das alles erfahren wir aus einigen Gastbeiträgen der Porträtierten, aus Interviews, die Preusse mit den 25 Frauen führt, Kurzbiografien und Texten über die Orte, die sie inspirieren, aus denen sie Kraft schöpfen, die sie mitgestalten. Wie Susanne Bader, die Eigentümerin der Buchhandlung „Zum Wetzstein“, die sich nicht nur mit Pflastermosaiken in der Freiburger Altstadt auskennt, sondern auch selbst eines legen ließ. Wie ein Klangparcours mit seinen Lauten, Tönen und Klängen, erzeugt von unterschiedlichen Instrumenten, zwischen denen es sich lustvoll und neugierig wandeln lässt, ist dieses Buch komponiert. Ein bunter Reigen aus Frauen von jung bis alt, von denen man vielleicht schon gehört hat: der Schriftstellerin Iris Wolf zum Beispiel. Sie beschreibt das Lorettobad und ihren heimlichen Wunsch, „die erste im Becken zu sein, für einige Sekunden oder Minuten das spiegelglatte Blau für sich alleine zu haben“.

Weitere Infos: https://www.kulturboerse-freiburg.de/de/ | Werbung

Mira Preusse und Yasemin aus dem Kamen schaffen mit spürbarer Empathie für jede der Frauen die Möglichkeit, sich und ihre Vorlieben sehr individuell zu zeigen. Wie Neriman Bayram, die Leiterin des Freiburger Kommunalen Kinos. Hier studierte sie Islamwissenschaft und Soziologie und traf auf Erika Glassen, Professorin für türkische Literatur, mit der sie ihre Nähe zur Kunst teilte. Und der Leselust, die sie seit Kindertagen nicht verlassen hat. Zur Ruhe kommt sie in der Stadtbibliothek. Aber auch weniger in der Öffentlichkeit präsente Frauen, wie Jutta Rothe, erzählen von sich und ihren Leidenschaften. Die in Bernau lebende Gründerin von Raumgestalt, wünschte sich schon mit 13 Jahren zu Weihnachten keins der für Kinder üblichen Geschenke: Ein Tisch und zwei Stühle für ihr Zimmer, wie sie damals modern waren, sollten es stattdessen sein. Und dann Lina Warlo-Saleem: Sie arbeitet als Schmuckdesignerin in ihrem Atelier in der Freiau mit einem Garten, der ihr Gelassenheit schenkt. Die Poetry-Slammerin Marie Lemor, im Hauptberuf Psychotherapeutin, besucht zu diesem Zweck immer wieder den alten Friedhof an der Stadtstraße.
Die beiden Verlegerinnen, Mutter und Tochter Christel und Elisabeth Jockers – sie wählten die Burgruine Zähringen zu ihrem Kraftort. Er trägt sie durch ihr vielseitiges journalistisches Engagement auf kulturellem Gebiet. Man kennt sie vor allem als Herausgeberinnen des „Kultur Joker“ in Freiburg. Sie haben sich als Frauen in einem eher Männern zugeschriebenen Berufsfeld etabliert. Entsprechend fallen einige Erlebnisse mit der Kundschaft aus. Ergänzt wird diese Perspektive durch Mira Preusses Recherchen nach bedeutsamen Frauen der Vergangenheit, die hier ihre Spuren hinterließen. Wie Elly Heuss-Knapp, die beistert von Freiburg und seinem Hausberg von Christiane Möschle so zitiert wird: „Ich stehe in der Sonne und fühle, wie mir Flügel wachsen“. Im sich ergänzenden Zusammenspiel von Text und Fotografie bietet dieses Buch, einen ganz neuen, einen frischen, luftig-leichten Blick auf die Region. Aus Frauenperspektive ebe

Mira Preusse, MiNZ & KUNST: Frauenperspektiven Freiburg Südschwarzwald. Panima Verlag, Karlsruhe 2025.

Bild: Insgesamt 25 Frauen und ihre Lieblingsorte werden in dem Fotoband portratiert – darunter u.a. die Tänzerin/Choreografin Emi Miyoshi @ MiNZ&KUNST

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Mechthild Blum