Different ways of being in

Was im Theater selbstverständlich ist – das Hineinschlüpfen in Rollen, mit ihren unterschiedlichen Gefühlslagen – wird in Different ways of being in verwandelt in tänzerische Befragungen: Was ist ein emotionaler Zustand, wenn ich ihn nicht spiele, sondern ihn tatsächlich körperlich zulasse? Wie werde ich von etwas „ergriffen“? Wann falle ich aus einer Emotion oder einem Bewegungsablauf heraus? Uns interessiert, wie sich diese Brüche und Übergänge in Muskulatur, Atmung, Tempo, Blicken niederschlagen.
Wir interessieren uns für Schwellen, Rhythmen und Grenzen: Was geschieht zwischen zwei Zuständen, wie nimmt der Körper sich in unterschiedlichen szenischen Situationen wahr? Wie beeinflußt mich die Tanz-Partnerin? Die Antworten bleiben offen – Momentaufnahmen in Bewegung.
Wir sind immer in etwas drinnn – umhergewirbelt von der großen Wunsch-Maschine. Doch bemerken wir es, und verstehen wir, wie diese Wünsche und Zustände unsere Perspektive auf das Leben prägen? Was lässt sich mit ihnen anderes anfangen, wie lassen sie sich verändern?
Different ways of being in versteht die Bühne als einen Ort der Aushandlung: zwischen zwei Körpern, zwischen zwei Menschen, zwischen zwei Tänzerinnen und ihrem Verhältnis zu den Anderen. Die Bühne ist dabei kein abgeschlossener Raum, sondern ein Resonanzfeld mit den Anwesenden. Die Arbeit setzt auf das Risiko der Sichtbarkeit: innere Schwankungen, Unsicherheiten und Überforderungen werden nicht geglättet, sondern zugelassen. Es geht nicht um das Versprechen „authentischer Emotion“, sondern um Transparenz: Wie viel Unentschiedenheit, wie viel Kippen, wie viel Unkontrollierbarkeit hält eine Form aus, bevor sie zerfällt – und was kann aus diesem Zerfall Neues entstehen?
Künstlerische Leitung: Zina Vaessen
Tanz: Chelsea Reichert u. Zina Vaessen
Dramaturgie u. Co-Choreografie: Alice Gartenschläger
Outside Eyes: Selina Koch u. Tom Schneider
Foto: Yen Lee
Dauer 50 Minuten
Content Note / Inhaltswarnung: Bei der Aufführung wird es eine Nacktszene geben.