Audio-Kommunikation: Von der Hörakustik zur multimodalen Interaktion (Prof. Dr.-Ing. Bernhard Seeber, TU München)

Die akustische Kommunikation ist ein zentraler Aspekt des Menschseins, ohne die unser Leben und Arbeiten kaum vorstellbar ist. Schwerhörigkeit erschwert die Kommunikation, was nur eingeschränkt durch Hörhilfen ausgeglichen werden kann. Situationen in lauten Umgebungen und mit Raumhall bleiben herausfordernd und Betroffene verlassen sich mehr auf multimodale Information aus Mimik und Gestik.
Mit der real-time Simulated Open Field Environment (rtSOFE) holen wir derartige Hörsituationen kontrolliert und reproduzierbar ins Labor, inklusive audiovisueller Information. Statt, wie in der psychoakustischen Forschung üblich, kurze Stimuli bewerten zu lassen, leiten wir die Ergebnisse aus der Beobachtung der stehenden, sich orientierenden und frei miteinander kommunizierenden Probanden ab. Sprache, Kopf- und Körperbewegungen (Position, Gestik) werden analysiert. Neben dem bekannten Lombard-Effekt zeigen die Probanden bei steigendem Störschall ein verändertes Bewegungsverhalten, verringern den Abstand, zeigen mehr Beat-Gesten und bestätigende Gesten wie Kopfnicken – auch als Redner. Die Beobachtung des Kommunikationsverhaltens erschließt uns den Beitrag der multimodalen Information über das akustische Hören hinaus.
Das Bernstein Center Freiburg und die Fakultät für Biologie laden im Wintersemester 2026/27 wieder zu spannenden Fragen, kreativen Ansätzen und praxisbezogenen Methoden rund um das Thema Neurowissenschaften ein. Herausragende Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus ganz Deutschland werden jeweils aus Sicht ihrer Disziplin anschaulich und verständlich über ihre Forschung berichten.