Merkwürdiger Riechsinn: Von Minineuronen und Mustererkennung im Bulbus Olfactorius (Prof. Dr. Veronica Egger, Universität Regensburg)

Der Geruchssinn ist einer der ältesten Sinne und im Vergleich zu anderen Sinnen wie Hören und Sehen noch wenig untersucht. Olfaktorische Objekte wie beispielsweise der Duft von Kaffee unterscheiden sich grundlegend von visuellen Objekten wie etwa einer Kaffeetasse, da Gerüche im Gehirn zunächst als großräumig verteiltes Aktivierungsmuster repräsentiert werden. Die neuronalen Netzwerke der Geruchsverarbeitung haben daher fundamental andere Aufgaben zu lösen als Netzwerke des visuellen Systems.
Sowohl beim Riechen als auch beim Sehen finden sich in der zweiten Verarbeitungsebene nach den Sinnesrezeptoren spezielle Schaltkreise auf kleinstem Raum, über die die beteiligten Nervenzellen in beide Richtungen Signale austauschen können. Im Riechsystem beinhalten diese sogenannten reziproken Schaltkreise eine anatomisch und physiologisch einzigartige Ausprägung der lokalen synaptischen Verarbeitung, die ich als „Mini-Neuron“ bezeichnen möchte. Ich werde aufzeigen, wie diese Mini-Neurone die Synthese olfaktorischer Objekte bereits auf einer frühen Verarbeitungsebene ermöglichen könnten
Das Bernstein Center Freiburg und die Fakultät für Biologie laden im Wintersemester 2026/27 wieder zu spannenden Fragen, kreativen Ansätzen und praxisbezogenen Methoden rund um das Thema Neurowissenschaften ein. Herausragende Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus ganz Deutschland werden jeweils aus Sicht ihrer Disziplin anschaulich und verständlich über ihre Forschung berichten.