Kunst Stadtleben

„Ich bleibe der Kunst verbunden“: Nach zwei Jahren beendet der Kunstraum Nigra Monaĥejo seine Arbeit – ein Rückblick

Seit zwei Jahren bespielt der Kunstraum Nigra Monaĥejo die historischen, denkmalgeschützten Räume des Schwarzen Klosters. In Esperanto bedeutet Nigra

„Ich bleibe der Kunst verbunden“: Nach zwei Jahren beendet der Kunstraum Nigra Monaĥejo seine Arbeit – ein Rückblick

Seit zwei Jahren bespielt der Kunstraum Nigra Monaĥejo die historischen, denkmalgeschützten Räume des Schwarzen Klosters. In Esperanto bedeutet Nigra Monaĥejo übrigens so viel wie „Schwarzes Kloster“. Im März zeigt der Kunstraum mit Wolf Becke nun die letzte von insgesamt achtzehn Ausstellungen .
Einen Namen konnte sich der Ort mit seinem Konzept machen: Freie Entfaltung und Austausch standen im Zentrum. „Mein Konzept ging dahingehend, dass ich Infrastruktur, Marketing-Budget und auch das Personal stelle. Die Künstlerinnen und Künstler bespielen den Raum eigenverantwortlich und sind eingeladen, zusätzliche Veranstaltungen zu machen“, erzählt Initiator Felix Schüle. Schüle stellte die Finanzierung für insgesamt zwei Jahre – so diente der Kunstraum als eine Art visionäres Pilotprojekt, das zugleich leuchtendes Beispiel für Möglichkeiten künstlerischer Zwischennutzungen sein könnte. Dass Kunstschaffende Ausstellungsräume vollkommen eigenverantwortlich bespielen dürfen, also für Ausstellungskonzept, Werkauswahl und Rahmenprogramm verantwortlich sind, kommt selten vor. Stellt Kunstschaffende zuweilen vor Herausforderungen und schenkt zugleich die Möglichkeit, das eigene Werk aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ob sich Schüle da nie eingemischt hat? „Ich habe am Anfang immer einen Scherz gebracht: Wenn sie nur ein Bild aufhängen möchten, dann werden die Besucher der Vernissage natürlich dumm gucken, aber das ist ihre Sache!“

Wolf Becke: „it grows again“ @ Wolf Becke


Mit diesem hohen Maß an Freiheit hat der Kunstraum in den vergangenen Jahren Kunstschaffenden eine Bühne geboten, die ihre Konzepte abseits des Mainstreams verwirklicht sehen wollten. „Wir sind von Bewerbungen überschwemmt worden“, fügt Felix Schüle hinzu.
So zeichnete sich das Ausstellungsprogramm auch durch eine Vielfalt an Medien und Themen aus. Ende 2025 präsentierten Andrea Wilcke (Malerei) und Christiane Knaup (Keramik/Skulptur) in ihrer Gemeinschaftsausstellung „Fragile Welten“ die feinen Bruchstellen des Lebens, während der georgische Künstler Paata Turashvili mit „Die Erosion der Zeit“* philosophische Fragen nach der Vergänglichkeit aufwarf. Auch der Fotografie wurde Raum gegeben, etwa durch Eva Rugel, die in „Space in Motion“ mit vertikalen Panoramen Sehgewohnheiten auf den Kopf stellte.

Christiane Knaup: „Die Liebenden“ © Künstlerin


Die Ausrichtung des Kunstraums Nigra Monaĥejo blieb dabei bewusst offen und inklusiv. Im Jahr 2024 setzten Künstler wie Markus Franke mit seiner Siebdruckserie „All Days Life“ Akzente im Bereich der abstrakt-expressionistischen Farberkundung, während Monika Passmann in „Das Sichtbare finden“ ihre intensiven Naturbeobachtungen aus der Antarktis in malerische Abstraktion übersetzte. Weitere Positionen wie die Collagen von David Martinez, die zeitgenössischen Werke von Kaustav Majumdar oder die kubistisch inspirierten Arbeiten von Silke Gerfen verdeutlichen den Anspruch des Kunstraums, ein Spiegelbild der aktuellen künstlerischen Vielfalt dieser Region zu sein. Durch regelmäßige Begleitveranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte schaffte der Kunstraum eine Verbindung zwischen bildender Kunst, Literatur und Musik, die den Ort zu einem interdisziplinären Knotenpunkt machte. Besonderer Dank, so Schüle, gelte vor allem auch seinem Team. Ob er weitere Projekte dieser Art geplant habe? „Ich bleibe der Kunst verbunden – mit Interesse.“

Bild: Paata Turashvili: „Jenseits der Grenze“ © Paata Turashvili


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Elisabeth Jockers