Nachhaltig

Hoffnung auf milde Winter: Deutschlands Gasspeicher am Limit

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie seit Jahren nicht mehr. Mitte Februar lagen die Vorräte bei knapp 24 Prozent.

Hoffnung auf milde Winter: Deutschlands Gasspeicher am Limit

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie seit Jahren nicht mehr. Mitte Februar lagen die Vorräte bei knapp 24 Prozent. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr und weit unter den früher üblichen Sicherheitsreserven. In anderen EU‑Staaten gelten weiter höhere Zielmarken, wie etwa die offiziell geplanten 90 Prozent vor Beginn der Heizperiode, die zumindest formell in der EU‑Gaslager‑Verordnung verankert sind und bis Ende 2027 gelten sollen. Doch Deutschland hat 2025 die nationalen Füllstandsvorgaben gesenkt. Die neue Gasspeicherfüllstandsverordnung schreibt nur noch 80 Prozent für Kavernenspeicher und teilweise 45 Prozent für Porenspeicher vor. Praktisch bedeutet das, dass die Speicher im Sommer nicht mehr vollständig aufgefüllt werden müssen.
Diese Anpassung senkt den Puffer für kalte Winter erheblich. Experten rechnen unter den aktuellen Bedingungen mit einer effektiven Füllung von etwa 70 Prozent zu Winterbeginn, was im Falle extremer Kälte nicht ausreicht. Gleichzeitig exportiert Deutschland zunehmend Gas nach Österreich, in die Niederlande und in andere Nachbarländer, obwohl die eigenen Speicherstände kritisch niedrig sind.
Ein Speicher mit 24 Prozent Füllstand ist physikalisch und technisch nicht gleichbedeutend mit 24 Prozent Versorgungskapazität. Schon bei geringeren Relativwerten verringert sich der Durchsatz so stark, dass die Fähigkeit des Speichers, kurzfristig Gas ins Netz zu liefern, deutlich eingeschränkt ist. Das macht niedrige Speicherstände bei extremer Kälte besonders riskant, nicht nur wegen der absoluten Menge an Gas, sondern weil der Druck für eine effektive und schnelle Versorgung fehlt.
Die Bundesregierung argumentiert, die Versorgung bleibe gesichert. Doch diese Einschätzung stützt sich auf milde Wetterprognosen und Importmöglichkeiten über LNG. Die Realität ist, dass Deutschland seine Versorgungssicherheit bewusst reduziert hat und auf günstige Umstände hofft. Die Kombination aus niedrigeren gesetzlichen Zielen, leeren Speichern und zusätzlichen Exporten macht das Energiesystem anfällig. Sollte der Winter länger oder kälter als von der Regierung erwartet ausfallen, drohen Engpässe.
Deutschland spielt mit der Versorgungssicherheit seiner Bürger und setzt auf Hoffnung statt auf robuste Vorsorge. Die Politik hat das Risiko kalkuliert, doch der Preis dafür könnte kalt und spürbar werden.

Foto: Gasspeicher am Limit: Deutschland spielt mit der Versorgungssicherheit seiner Bürger:innen © Jan van der Wolf/pexels

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Alisa Guschker