Kunst Stadtleben

Viel Freiraum: Nach dem Umbau sind jetzt beide Morat-Hallen in Freiburg eröffnet worden

Für einen Zufall wird man das kaum halten können. Es ist ein Frühling der (Wieder)Eröffnungen. Erst die Morat-Hallen, dann

Viel Freiraum: Nach dem Umbau sind jetzt beide Morat-Hallen in Freiburg eröffnet worden

Für einen Zufall wird man das kaum halten können. Es ist ein Frühling der (Wieder)Eröffnungen. Erst die Morat-Hallen, dann das Augustinermuseum. Es ist OB-Wahlkampf und der wird auch mit der Kultur ausgefochten. Bereits während der Regionale 26, die Anfang Januar zu Ende ging, konnte man die Morat-Halle im Normalbetrieb erleben, am 6. Februar kam nun die 300 Quadratmeter große Halle Nord hinzu. Als bekannt wurde, dass sich Eva und Armin Morat zurückziehen werden und ihre Söhne die Hallen nicht übernehmen würden, blieb lange im Unklaren, wie es mit den Hallen in der Lörracher Straße weitergehen sollte. Dank der Großzügigkeit von Gertraud Hurrle konnte die Stadt das Gebäude kaufen. Mittlerweile ist es auch saniert und derzeit sind dort zwei Ausstellungen zu sehen. Bei der Eröffnung wurde die Kunst glatt Opfer des Erfolges, vor lauter Menschen konnte man sich kaum einen Überblick verschaffen.
„Die Morat-Hallen werden die Kunstszene unserer Stadt in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich mitprägen. Danke auch an alle, die diesen Erfolg durch ihr Engagement möglich gemacht haben“, so Oberbürgermeister Martin Horn. Während die rechte 240 Quadratmeter große Halle als Städtische Galerie genutzt werden wird und der Ersatz für das L6 darstellt, wird die Halle Nord laut Pressemitteilung der Freiburger Kunstszene sowie der regionalen und internationalen Kunstszene überantwortet. Diese Unschärfe kommt nicht von Ungefähr. Es fehlt an einem kulturpolitischen Konzept von Stadt und Kulturverwaltung, in das vor allem die Halle Nord eingebunden werden könnte. Klar, es fehlt – wie immer – am Geld, klar, es gibt mittlerweile so etwas wie Ausstellungshonorare, doch Jurys und ehrenamtliches Engagement können kein kulturpolitisches Profil ersetzen.
Tim Bohlender, Tanja Goetzmann und Nozomi Tanabe haben in ihrer Ausstellung in der Städtischen Galerie einen Umgang mit der Größe des Raumes gefunden. In ihrer Ausstellung „Following – some kind of same – µ“ übertragen sie das künstlerische Prinzip der Serie auf den Raum und skalieren ihre Arbeiten, um auf die Dimensionen der städtischen Ausstellungshalle zu reagieren. Das zeigt sich am deutlichsten bei den Keramikobjekten von Tanja Goetzmann. Ihre Bodenarbeit „Geister“ beruht auf dem Prinzip des Gefäßes, teilweise dient ein zweites Gefäß als Deckel. Goetzmann hat meist dezent glasierte Objekte in losen Gruppen im Raum arrangiert oder betont mit ihnen architektonische Besonderheiten des Raumes. Oft wirkt dies durchaus auch ironisch, denn selbst wenn die Gefäße keine anthropomorphen Formen haben, glaubt man Beziehungen zu erkennen. Auch Nozomi Tanabe greift in ihren Arbeiten auf das Prinzip der Addition zurück. Tanabe, die erst in Tokio, dann in Karlsruhe Kunst studiert hat, arbeitet aus Lindenholz Gesichter heraus. Meist sind diese fragmentiert und im Akt des Sprechens dargestellt. Die Titel selbst verweisen auf das Fragmentarische, sie heißen etwa „n von Even“ oder „ea von please“. Doch manchmal fügt Tanabe diese zu einer Reihe aneinander, dann sieht es so aus als ob sich die Wangen aneinandergeschmiegt hätten, als verschwisterten sich die Augen. Tim Bohlender wiederum spielt Typografien durch und lässt seine Arbeiten im Verhältnis von Fläche und Linie entstehen. Manchmal entsteht dabei ein Positiv-, Negativeffekt oder es ergeben sich verschiedene Schattierungen von Türkis.
Die zweite Ausstellung in den Morat-Hallen, die von Sharleena Rosing kuratiert wurde, greift unsere als krisenhaft empfundene Zeit auf. In „Fields of Un/rest“ schaffen Betty Blumenstock, Philip Beck sowie Benjamin Koglin und Arne Grashoff Zustände der Unruhe. So setzt Benjaim Koglin mehrere gleich große Plastikbehälter, die mit beerenfarbenem und blaugrünen Wasser gefüllt sind, in leichte Schwingungen, so dass sich die Oberfläche kräuselt und dann wieder beruhigt. Die titellose Arbeit vereint die Eigenschaften kinetischer Kunst mit dem Farberlebnis abstrakter Malerei. Zusammen mit Arne Grashoff hat Koglin zudem ein Video geschaffen, in dem Campingstühle und ein Tisch in Flammen aufgehen. Entgegen dem idyllischen Titel „Frühstück im Grünen“ endet alles in Zerstörung. Und auch bei Betty Blumenstocks Bodenarbeit „Raum“ entsteht zweifellos Irritation, denn die 45 Flaschen, überwiegend aus Beton, einige aus Glas, passen niemals in den Kasten. Während bei Philip Beck, der 2023 mit dem Förderpreis der Stadt Freiburg ausgezeichnet wurde und mittlerweile in Berlin studiert, zwei Marmorklötze ineinandergreifen würden, wenn sie denn könnten.

Morat-Hallen, Lörracher Str. 31, Freiburg. Do-Fr 16-19 Uhr, Sa-So 11-17 Uhr.
„Following – some kind of same – µ“, bis 15.03.26
Fields of Un/Rest, bis 29.03.26.

Bild: Großes Aufkommen bei der Eröffnung der Morat-Hallen © Patrick Seeger/Stadt Freiburg

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Annette Hoffmann